Kontinuität

Rice Powell

Dr. Ben J.Lipps

In einem Interview zum Wechsel
an der Vorstandsspitze
und zur Bedeutung von „Kontinuität“
bei Fresenius Medical Care

Could not open the File! No such file or directory

Am 1. Januar 2013 hat Rice Powell von Dr. Ben J. Lipps die Position
des Vorstandsvorsitzenden von Fresenius Medical Care übernommen. Zuvor
war Rice Powell als stellvertretender Vorstandsvorsitzender und Mitglied des
Vorstands für die Region Nordamerika verantwortlich. In diesem Interview
legen beide ihre persönliche Sicht der aktuellen Entwicklungen bei
Fresenius Medical Care und der sich daraus ergebenden Herausforderungen
und Chancen dar. Sie erläutern außerdem, warum das Unternehmen
für einen langfristigen Erfolg gut positioniert ist.

Rice Powell
Dr. Ben J. Lipps
Wie beurteilen Sie die wirtschaftliche Entwicklung von Fresenius Medical Care im Geschäftsjahr 2012?
Das Jahr 2012 war für Fresenius Medical Care ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr. Wir haben wieder einmal und nun zum 16. Mal in Folge Rekordergebnisse erzielt. Wir haben außerdem unsere strategischen Wachstumsinitiativen fortgeführt und insbesondere unser weltweites Kliniknetz weiter ausgebaut. Vor allem jedoch sind wir sehr stolz auf die kontinuierlichen Fortschritte in Richtung der bestmöglichen Patientenversorgung und der höchstmöglichen Qualität unserer Produkte. Dabei konnten wir gleichzeitig unsere Ertragskraft steigern, und das im Einklang mit den Werten unseres Unternehmens.
Auch für die Region Nordamerika war 2012 ein erfolgreiches Jahr. In unserem Kerngeschäft sind wir weiter gewachsen, und wir haben unsere wichtigsten Qualitätsziele erreicht. Wir konnten beachtliche Fortschritte bei der Integration des von Liberty Dialysis übernommenen Geschäfts erzielen und haben die Vorgaben, die das 2011 in den USA eingeführte Erstattungssystem für Dialysebehandlungen mit sich gebracht hat, weiter umgesetzt. Außerdem konnten wir sowohl unsere Patienten als auch unsere Kollegen, die von Hurrikan Sandy betroffen waren, unterstützen. Dennoch sollten wir uns angesichts dessen, was wir in der Vergangenheit erreicht haben, nicht zufrieden zurücklehnen. Wir wissen schließlich, dass das allgemeine wirtschaftliche Umfeld nicht einfacher wird. Meiner Ansicht nach sind wir jedoch auf künftige Herausforderungen ebenso wie auf Chancen, die sich uns bieten, sehr gut vorbereitet, und zwar sowohl im Produkt- als auch im Dienstleistungsbereich.
Dr. Lipps, können Sie uns die finanzielle Entwicklung von Fresenius Medical Care in den vergangenen Jahren ein wenig erläutern?
Seit der Gründung von Fresenius Medical Care 1996 konnten wir unseren Umsatz von 1 Milliarde US$ durch organisches Wachstum sowie Aquisitionen auf fast 14 Milliarden US$ im Jahr 2012 steigern. Im selben Zeitraum ist unser Konzernergebnis von knapp 100 Millionen US$ auf 1,2 Milliarden US$ gestiegen. Vor allem jedoch haben wir im Laufe der Jahre unzählige Patienten in unseren Kliniken behandelt. Inzwischen führen wir jährlich weltweit über 38 Millionen Dialysebehandlungen bei fast 260.000 Patienten durch – das sind etwa sechsmal so viele wie 1996.
Dr. Lipps, Sie verfügen über 40 Jahre Erfahrung in der Dialysebranche. Gab es in dieser Zeit Ereignisse, an die Sie sich besonders gern erinnern?
Am besten kann ich mich daran erinnern, wie wir nach einer Reihe anfänglicher Rückschläge die erste künstliche Niere hergestellt hatten und die ersten Patienten behandeln konnten. Sie müssen bedenken, dass die Diagnose Nierenversagen bis in die frühen 70er Jahre einem Todesurteil gleichkam. Kurz darauf waren wir schon in der Lage, die Lebenserwartung der Patienten durch Dialyse und die künstliche Niere um einen Monat zu verlängern. Aus einem Monat wurden zwei Monate und schließlich mehrere Jahre. Heute gibt es Tausende von Patienten, die dank der Dialyse jahrzehntelang weiterleben. In den USA zum Beispiel konnten wir die Sterblichkeitsraten in unseren Kliniken in den vergangenen zehn Jahren um 35% reduzieren. Daher ist es für mich eine wunderbare Erfahrung gewesen, mitansehen zu können, dass sich all die Anstrengungen der Branche gelohnt haben, die Lebensqualität von Patienten zu verbessern. Heute haben die Produkte, die rund um die Dialyse verwendet werden, eine ganz andere Qualität als die, die es gab, als ich angefangen habe. Ich bin stolz darauf, Teil eines Unternehmens zu sein, das diese für Patienten so positive Entwicklung vorangetrieben hat.
Herr Powell, Sie arbeiten seit 1997 für Fresenius Medical Care, die letzten acht Jahre als Mitglied des Vorstands für Nordamerika. Was waren für Sie herausragende Entwicklungen in dieser Zeit?
Für mich ist es der Umfang unserer Geschäftstätigkeit und sein Wachstum über die Jahre. Seit Bestehen des Unternehmens ist Fresenius Medical Care Marktführer in einer Branche, die auch in Zukunft kontinuierlich weiter wachsen wird. Einer der Gründe hierfür ist unsere vertikal integrierte Unternehmensstruktur. Das heißt zum Beispiel, dass wir neue Produkte, Therapien und zusätzliche Dienstleistungen in unseren Kliniken einführen und testen können. Unsere eigenen Mitarbeiter sind dann aufgefordert, die neuen Produkte kritisch zu prüfen und uns umgehend Rückmeldung zu geben. Auf diese Weise stellt Fresenius Medical Care einerseits hohe Erfolgsraten sicher, während andererseits die Effizienz der Gesundheitsversorgung verbessert wird.
Rice Powell hat Sie, Dr. Lipps, am 1. Januar 2013 als Vorstandsvorsitzenden abgelöst. Gibt es einen Ratschlag, den Sie Ihrem Nachfolger mit auf den Weg geben möchten?
Erst einmal möchte ich sagen, dass ich sehr stolz bin, dass Rice 1997 zu Fresenius Medical Care gekommen ist. Er hat unser Unternehmen in Nordamerika hervorragend geleitet. Ich glaube, Rice und mich verbindet die Hingabe, mit der wir uns für die Qualität der Versorgung unserer Patienten engagieren. Und das hat sich über die Jahre ausgezahlt. Deshalb habe ich mich gefreut, zu Beginn des Jahres 2013 das Ruder an Rice zu übergeben. Ich habe volles Vertrauen zu ihm und zum gesamten Führungsteam. Aber wir arbeiten ja seit mehr als zehn Jahren zusammen, da kann ich ihm keine geschäftlichen Ratschläge mehr geben, die er nicht schon kennen würde. Aber einen ganz persönlichen Tipp habe ich: In all den Jahren habe ich festgestellt, dass es in unseren Büros überall auf der Welt morgens um 4.30 Uhr am ruhigsten ist.
Stimmt es, dass Sie Herrn Powell damals im Jahr 1997 selbst eingestellt haben?
Ja, das stimmt. Ich kann mich noch gut an das Einstellungsgespräch erinnern. Wir haben über alles Mögliche diskutiert und nach kurzer Zeit gemerkt, dass eine Zusammenarbeit sowohl aus unserer Sicht als auch der des Unternehmens eine gute Idee wäre. Ich habe damals sogar die Tür abgeschlossen, damit er mir nicht entwischen konnte, habe den Vertrag geholt und Rice hat ihn unterschrieben, bevor er ging.
Herr Powell, wo sehen Sie für sich persönlich die grössten Herausforderungen in Ihrer neuen Position als Vorstandsvorsitzender?
Mit der Leitung des weltweiten Geschäfts geht natürlich einher, dass ich jetzt täglich für eine ganze Reihe zusätzlicher Bereiche verantwortlich bin. Wir sind ein dezentrales und vertikal integriertes Unternehmen mit einer globalen Präsenz und einem Führungsteam mit sehr internationalem Profil. Das allein ist ja schon eine Herausforderung. Vertrauen zu schaffen – sowohl intern als auch extern – ist bei jedem Vorstandswechsel eine sehr wichtige Aufgabe. Um 4.30 Uhr morgens im Büro zu sein klingt für mich als Vater von zwei kleinen Töchtern allerdings in der Tat nach einer herausfordernden Aufgabe.
In welchen Bereichen sehen Sie, aus Perspektive des Unternehmens, in den kommenden Jahren die grössten Herausforderungen auf sich zukommen?
Lassen Sie mich ein paar Beispiele für die Herausforderungen geben, mit denen wir in unserem Dienstleistungs­ und in unserem Produktgeschäft konfrontiert sind. Was die Dienstleistungsseite unseres Unternehmens betrifft, behalten wir natürlich die weltweiten Entwicklungen im Bereich der Erstattung von Behandlungskosten im Blick. In den USA ist der Übergang zum Pauschalvergütungssystem bereits erfolgreich umgesetzt. Dank unseres Fokus auf qualitativ hochwertige Produkte und Dienstleistungen und unserer vertikal integrierten Unternehmensstruktur sind wir auch für weitere Veränderungen der Erstattungssysteme hervorragend aufgestellt. Was die Produktseite betrifft, so sind wir in puncto Produktqualität extrem kritisch – aber das muss man im Gesundheitswesen auch sein. Wir überprüfen regelmäßig unsere weltweiten Systeme zur Fertigungssteuerung, um eventuelle Unregelmäßigkeiten im Produktionsprozess auszumachen, die sich für Patienten als gefährlich erweisen könnten. Eine unserer Stärken liegt meiner Ansicht nach in der Tatsache, dass wir alles unternehmen, um Probleme so früh wie möglich zu beheben. Außerdem ist Fresenius Medical Care dank seines bewährten Führungsteams, das im Bereich der Nierenerkrankungen über umfassende und einzigartige Erfahrungen verfügt, hervorragend positioniert.
Dr. Lipps, wenn Sie einmal zurückblicken – was waren Ihrer Meinung nach bisher die entscheidenden Erfolge von Fresenius Medical Care?
Ich empfinde es als Segen, dass ich 46 Jahre in dieser Branche tätig sein durfte, 13 Jahre davon als Vorstandsvorsitzender von Fresenius Medical Care. Die enorme Unterstützung und das Engagement der Mitarbeiter bei der Bereitstellung der bestmöglichen Patientenversorgung in unseren über 3.000 Dialysekliniken und die Qualität unserer Produkte haben den Erfolg unseres Unternehmens erst möglich gemacht und dafür gesorgt, dass wir uns zu dem einzigartigen weltweit aktiven Unternehmen entwickelt haben, das wir heute sind. Ich bin so stolz auf die vielen Erfolge von Fresenius Medical Care in den vergangenen Jahren. Weltweit sind über 1,5 Millionen Dialysepatienten auf unsere lebensrettenden Produkte angewiesen; alle 0,8 Sekunden führen wir irgendwo auf der Welt eine Dialysebehandlung durch, und über vier Millionen Menschen nehmen unsere Produkte und Dienstleistungen in der einen oder anderen Form in Anspruch.
Herr Powell, welche Ziele haben Sie für die nächsten Jahre?
Wie auch das Motto unseres diesjährigen Berichts zeigen soll, wird Kontinuität unsere Leitlinie sein. Das bedeutet auch, dass wir uns weiterentwickeln müssen, da unser Umfeld sich ebenfalls stetig verändert. Die Zukunft birgt so viele Chancen, aber auch Herausforderungen. Mein Ziel ist, sicherzustellen, dass wir diese Chancen und Herausforderungen mindestens genauso gut annehmen und bewältigen können wie bisher. Natürlich ist unsere Priorität auch weiterhin, unseren Patienten die besten Produkte und Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen. Sie können nicht in der Gesundheitsbranche tätig sein, ohne Qualität an erste Stelle zu setzen. Viele Menschen verlassen sich darauf, dass wir unser Versprechen halten, Patienten ebenso wie Mitarbeiter und Aktionäre. Verlässlichkeit wird also, wie auch schon bei Ben, einer meiner Schwerpunkte sein.
Dr. Lipps, was hat Sie in Ihrer Zeit als Vorstandsvorsitzender am meisten geprägt?
Ich ziehe meine Kraft aus dem Engagement unserer Mitarbeiter. Einige von ihnen arbeiten bereits seit mehr als zwanzig Jahren für uns. In dieser Zeit haben sich viele enge Beziehungen entwickelt. Außerdem haben Sie als CEO eines Unternehmens, das sich der Gesundheitsfürsorge verschrieben hat, die Gelegenheit, Patienten kennenzulernen, die dank der Dialyse viele Jahre weiterleben konnten. Das zu sehen ist einfach wunderbar. Ein Beispiel, an das ich mich sehr gut erinnere, ist ein Patient, der seit über 30 Jahren an der Dialyse war. Ich übergab ihm eine Auszeichnung, die Patienten von uns erhalten, die seit so langer Zeit Dialysepatienten sind. Die Reaktion dieses Menschen hat mir gezeigt, dass sich all die Energie und die Zeit, die wir als Führungsteam und als Unternehmen investieren, wirklich lohnen.
Herr Powell, worauf freuen Sie sich in Ihrer Funktion als Vorstandsvorsitzender von Fresenius Medical Care am meisten?
Es ist sehr beeindruckend mitanzusehen, wie sich Fresenius Medical Care entwickelt hat und vor allem, wie viele Mitarbeiter in dieser Zeit mit ihren Aufgaben und ihren Teams gewachsen sind. Ich freue mich besonders darauf, das weitere Wachstum zu fördern – das des Unternehmens ebenso wie das unserer Mitarbeiter. Ich möchte das Unternehmen weiter ausbauen, nicht erneuern, und freue mich darauf, neue Geschäftsbereiche aufzubauen oder hinzuzufügen. Außerdem habe ich in den vergangenen 15 Jahren – und insbesondere während meiner Zeit als Vorstandsmitglied – vor allem in Nordamerika viele Menschen kennenlernen dürfen. Nun freue ich mich sehr darauf, Menschen aus allen Abteilungen weltweit zu begegnen und mehr Zeit damit zu verbringen, die kulturellen Unterschiede in unserem Unternehmen besser verstehen zu lernen.
Herr Powell , Dr. Lipps,
vielen Dank für das Interview.