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Geschäftstätigkeit und Strategie

Geschäftstätigkeit und Strategie

Fresenius Medical Care ist der weltweit führende Anbieter von Produkten und Dienstleistungen rund um die Dialyse. Die Dialyse ist ein lebensnotwendiges Blutreinigungsverfahren, das die Funktion der Niere bei einem Nierenversagen ersatzweise übernimmt.

Führender Anbieter von Dialyseprodukten und -dienstleistungen

Als vertikal integriertes Unternehmen bietet Fresenius Medical Care Produkte und Dienstleistungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Dialyse an. Im Berichtsjahr haben wir unser Geschäft mit Dialyseprodukten und speziell das Dienstleistungsgeschäft weiter ausgebaut. Inzwischen betreuen wir in weltweit mehr als 40 Ländern etwa 258.000 Dialysepatienten in rund 3.200 eigenen Dialysekliniken. Dieses Kliniknetz – das größte und internationalste weltweit – bauen wir kontinuierlich aus, um der stetig wachsenden Zahl der Dialysepatienten gerecht zu werden. Zugleich sind wir mit mehr als 40 Produktionsstätten auf allen Kontinenten der führende Anbieter von Dialyseprodukten wie Dialysegeräten, Dialysatoren und damit verbundenem Einweg-Zubehör. Die – gemessen an der Produktionsmenge – größten Werke befinden sich in den USA (Ogden, Utah, und Walnut Creek, Kalifornien), in Deutschland (Schweinfurt und St. Wendel) und in Japan (Buzen). Daneben unterhalten wir weltweit weitere Produktionsstätten, die in der Regel den lokalen Bedarf an Dialyseprodukten abdecken. Sie sind deshalb deutlich kleiner als die oben genannten Werke. Weitere Informationen zu unserer Fertigung finden Sie im Kapitel „Beschaffung und Produktion“; eine Liste der wesentlichen Beteiligungen ist im Finanzbericht enthalten.

Fresenius Medical Care ist dezentral organisiert und in die Regionen Nordamerika, EMEA (Europa, Naher Osten und Afrika), Lateinamerika und Asien-Pazifik aufgeteilt. Für Berichtszwecke haben wir die Regionen EMEA, Lateinamerika sowie Asien-Pazifik unter dem Begriff International zusammengefasst. Die Hauptverwaltung von Fresenius Medical Care befindet sich in Bad Homburg v. d. H. in Deutschland. Die Niederlassung unserer, gemessen am Umsatz, bedeutendsten Region Nordamerika ist in Waltham, Massachusetts (USA) angesiedelt. Einen Überblick über die wesentlichen Standorte von Fresenius Medical Care gibt Grafik 2.1.1.

Wesentliche Standorte

Leitung und Kontrolle

Seit Februar 2006 ist Fresenius Medical Care in der Rechtsform einer Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) organisiert. Die Organe von Fresenius Medical Care in der Rechtsform der AG & Co. KGaA sowie die Konzernleitungs- und Überwachungsstruktur werden im Corporate-Governance-Bericht vorgestellt. Die Mitglieder des Vorstands werden unter der Rubrik Vorstand vorgestellt; Informationen zu den Mandaten von Vorstand sowie Aufsichtsrat finden Sie unter der Rubrik Mandate.

Bilanzierung nach U. S. GAAP

Fresenius Medical Care bilanziert nach U. S. GAAP (United States Generally Accepted Accounting Principles, US-amerikanische Grundsätze ordnungsgemäßer Rechnungslegung) mit US-Dollar als Berichtswährung. Hintergrund dieser Bilanzierungsform ist das hohe Geschäftsvolumen des Unternehmens in den USA sowie die Aktiennotierung an der New Yorker Wertpapierbörse (New York Stock Exchange). Zusätzlich werden aber auch Abschlüsse nach den Regeln der International Financial Reporting Standards (IFRS) erstellt.

Unsere Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsprozesse

Etwa 2,306 MIO Patienten unterzogen sich zum Ende des Jahres 2012 weltweit regelmäßig einer Dialysebehandlung. Die Dialyse ist ein lebensnotwendiges Blutreinigungsverfahren, das bei einem Nierenversagen die Funktion der Niere ersatzweise übernimmt. Durch die Behandlung werden Schlackenstoffe und überschüssiges Wasser, die bei gesunden Menschen über den Harn ausgeschieden werden, aus dem Körper entfernt, da die Nieren des Patienten diese Aufgabe nicht mehr erfüllen können. Es gibt grundsätzlich zwei Behandlungsverfahren: die Hämodialyse (HD) und die Peritonealdialyse (PD). Gesteuert durch eine Hämodialysemaschine wird bei der HD das Blut des Patienten mittels eines Dialysators gereinigt. Bei der PD wird das Bauchfell, oder Peritoneum, des Patienten als filternde Membran genutzt. Das Geschäft von Fresenius Medical Care umfasst beide Behandlungsverfahren.

Als global führendes Unternehmen bieten wir in mehr als 120 Ländern der Welt Dienstleistungen und Produkte für Dialysepatienten an. Fresenius Medical Care ist mit diesem Angebotsspektrum im Wesentlichen in den folgenden Bereichen tätig:

Hämodialyse in spezialisierten Kliniken

Zum größten Teil werden Dialysepatienten in spezialisierten Kliniken mit Hilfe der Hämodialyse (HD) behandelt. Mit einem Anteil an den Behandlungen weltweit von über 89% ist sie das weitaus häufigste Verfahren in der Nierenersatztherapie. Die HD erfordert den Einsatz spezieller Produkte, allen voran Hämodialysemaschinen und Dialysatoren, die als „künstliche Niere“ an das Gerät angeschlossen werden und Schadstoffe aus dem Blut des Patienten filtern. Fresenius Medical Care stellt diese und weitere Dialyseprodukte weltweit führend her – für den Einsatz innerhalb und außerhalb unserer eigenen Kliniken. Weitere Informationen finden Sie im Abschnitt „Dialysemarkt“ sowie im Glossar.

Heimdialyse ist noch ein kleiner Markt

Die beiden Therapieformen der Heimdialyse sind die Peritonealdialyse (PD) siehe Glossar und die Heim-Hämodialyse. Insgesamt wurden im Berichtsjahr rund 11% aller Dialysepatienten weltweit mittels PD versorgt. Die Heim-Hämodialyse ist noch immer ein kleiner Markt – nur etwa 0,6% aller Patienten wurden Ende 2012 auf diese Weise behandelt. Insgesamt haben wir zum Ende des Berichtsjahres circa 49.000 PD-Patienten und über 3.500 Heim-Hämodialyse-Patienten versorgt; damit erhalten circa 20% aller PD-Patienten und circa 28% aller Heim-Hämodialyse-Patienten ihre Dialyseprodukte von uns. Weitere Informationen zur Heimdialyse finden Sie im Magazin.

Akutdialyse beim plötzlichen Verlust der Nierenfunktion

In der Regel leiden Dialysepatienten an chronischem Nierenversagen – einer Krankheit, die sich meist über viele Jahre schrittweise entwickelt. Darüber hinaus können Menschen aber auch im akuten medizinischen Notfall auf eine Dialysebehandlung angewiesen sein, denn die Niere kann – etwa nach einem schweren Unfall – kurzfristig versagen. Auch für diese sogenannte Akutdialyse bietet Fresenius Medical Care Produkte und Dienstleistungen an.

Dialysemedikamente erweitern unser Produktportfolio

Dialysemedikamente tragen zur horizontalen Erweiterung unseres Produktportfolios über das Angebot von Dialysedienstleistungen und -produkten hinaus bei; sie passen damit ideal zu unserer strategischen Ausrichtung. Üblicherweise werden bei der Behandlung von Dialysepatienten Medikamente eingesetzt, die zur Korrektur der Blutarmut sowie zur Regulierung des Mineralhaushalts benötigt werden. Das Spektrum umfasst blutbildende Substanzen (Erythropoietin, EPO), Eisenpräparate, Phosphatbinder, Vitamin-D-Präparate und sogenannte Kalzimimetika (siehe auch Glossar). Die Dialysemedikamente EPO und Vitamin D beziehen wir von spezialisierten Anbietern. Phosphatbinder hingegen produzieren wir in eigenen Werken für die Verwendung in unseren Kliniken und den Vertrieb an Dritte. Eisenpräparate stellen wir im Rahmen eines Gemeinschaftsunternehmens mit der Schweizer Gesellschaft Galenica – der Vifor Fresenius Medical Care Renal Pharma Ltd. – her.

Labordienstleistungen ergänzen unser Dienstleistungsportfolio

Nierenfachärzte sind auf umfangreiche Labortests angewiesen, um die Dialysetherapie auf jeden Patienten individuell abstimmen zu können. Die Qualität der Testergebnisse trägt wesentlich zur Behandlungs und damit zur Lebensqualität der Patienten bei. Im Geschäftsjahr 2012 hat unsere Tochtergesellschaft Spectra Laboratories in den USA etwa 60 MIO Labordienstleistungen für circa 192.000 Patienten in eigenen, aber auch in unternehmensfremden Dialysekliniken erbracht.

Dialyse auch im Urlaub und auf Geschäftsreisen möglich

Menschen, die eine regelmäßige Dialyse benötigen, sind meist nur sehr eingeschränkt mobil; ein Urlaub oder Geschäftsreisen in andere Länder scheinen kaum möglich. Fresenius Medical Care bietet reisenden HD- und PD-Patienten einen kostenfreien Buchungsservice für die Dialyseversorgung außerhalb ihres gewohnten Umfelds. Dabei greifen wir sowohl auf unsere eigenen weltweiten als auch auf zertifizierte Kliniken außerhalb unseres Netzes zurück. So können Dialysepatienten in vielen Gegenden der Welt ihre lebensnotwendige Behandlung erhalten.

Wesentliche Absatzmärkte und Wettbewerbsposition

Dialysedienstleistungen in 3.160 eigenen Kliniken weltweit

Fresenius Medical Care ist im Bereich der Dialysedienstleistungen der weltweite Marktführer mit einem Marktanteil von etwa 11%, gemessen an der Anzahl der behandelten Patienten. Wir versorgen nicht nur die meisten Dialysepatienten, sondern verfügen außerdem, verglichen mit unseren Wettbewerbern, über die größte Zahl von Dialysekliniken: 2012 waren es 3.160 Kliniken weltweit. 64% unserer Patienten haben wir in Nordamerika betreut, 19% in Europa, 10% in Lateinamerika und 7% in der Region Asien-Pazifik.

Hoher Marktanteil bei Dialyseprodukten

Unser weltweiter Marktanteil bei den Dialyseprodukten betrug im Jahr 2012 rund 33%; damit sind wir auch in diesem Bereich die Nummer eins geblieben. Der Marktanteil unserer Schlüsselprodukte Dialysatoren und Dialysemaschinen lag mit etwa 45% beziehungsweise 55% sogar noch deutlich darüber.

Weitere Angaben zu den wesentlichen Absatzmärkten und zur Marktposition von Fresenius Medical Care finden Sie im Abschnitt „Dialysemarkt“.

Rechtliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Fresenius Medical Care bietet lebensrettende Produkte und Dienstleistungen für nierenkranke Menschen an. Wir sind daher Konjunkturzyklen in relativ geringem Maße unterworfen. Dadurch unterscheiden wir uns beispielsweise von Konsumgüterherstellern, die einer eher zyklischen Produktnachfrage unterliegen.

Beeinflusst wird das Geschäft von Fresenius Medical Care eher von staatlich festgelegten Erstattungssätzen und Vergütungssystemen. Die Vergütungssysteme für die Dialysebehandlung unterscheiden sich von Land zu Land, oft sogar innerhalb eines Landes. Fresenius Medical Care bietet seine Dialysedienstleistungen in mehr als 40 Ländern mit unterschiedlichen Rahmenbedingungen an. Dank dieser internationalen Erfahrung können wir die Bemühungen der nationalen Gesundheitssysteme unterstützen, passende Vergütungsstrukturen schaffen, unser Geschäft den lokalen Gegebenheiten anpassen und dabei profitabel agieren. Weitere Angaben hierzu finden Sie im Abschnitt „Dialysemarkt“.

Als lebensrettende Behandlung ist die Dialyse mit höchsten Anforderungen an Sicherheit und Qualität verbunden. Diese Anforderungen sind in zahlreichen – sowohl nationalen als auch internationalen – gesetzlichen Regelungen, Standards und Normen verankert, an denen wir unser unternehmerisches Handeln ausrichten. Weitere Informationen dazu finden Sie im Abschnitt „Qualitätsmanagementsysteme werden regelmäßig überprüft“.

Nicht zuletzt tragen demografische Faktoren zu weiter wachsenden Dialysemärkten bei, unter anderem die älter werdende Bevölkerung und die steigende Zahl von Menschen, die an Diabetes und Bluthochdruck leiden – Erkrankungen, die dem chronischen Nierenversagen häufig vorausgehen. In den vergangenen Jahren wurden die Prognosen zur Häufigkeit dieser beiden Erkrankungen permanent nach oben korrigiert. Zudem steigt die Lebenserwartung von Dialysepatienten dank der sich stetig weiter verbessernden Behandlungsqualität und des auch in den Entwicklungsländern steigenden Lebensstandards.

Strategie, Ziele und Unternehmenssteuerung

Unsere langfristige Strategie ist darauf ausgerichtet, den Unternehmenswert dauerhaft zu erhöhen. Im Mittelpunkt unserer Geschäftsaktivitäten steht die Gesundheit der Patienten und damit auch die Qualität der Behandlung – die Lebensqualität und Lebenserwartung erkrankter Menschen zu steigern ist unser Ziel. Der Vorstand setzt eine Vielzahl unterschiedlicher Instrumente und Kennzahlen ein, um die Geschäftsentwicklung zu bewerten, seine Strategie auszuarbeiten und Entscheidungen über Investitionen zu fällen. Wir sehen uns weiterhin sehr gut positioniert, um unsere Wachstumsziele, die wir in diesem Kapitel näher beschreiben, zu erreichen.

Unternehmensstrategie

Unsere Strategie berücksichtigt konkrete, messbare Wachstumsziele sowie langfristige, von uns prognostizierte Trends im Dialysemarkt. Wir erwarten nicht nur, dass die Patientenzahlen weiter steigen, sondern auch, dass künftig noch mehr Wert auf die Qualität der erbrachten Dienstleistungen und der zur Verfügung stehenden Produkte gelegt wird. Darüber hinaus sind wir überzeugt, dass der Bedarf für eine ganzheitliche Betreuung von Nierenkranken steigen wird. Das bedeutet, dass im Fokus unseres Geschäfts nicht allein die einzelne Dienstleistung oder das einzelne Dialyseprodukt stehen wird, sondern die Verbindung aller Anwendungsbereiche rund um die Dialyse.

Im September 2010 hatten wir mit GOAL 13 eine mittelfristige Strategie mit definierten Zielgrößen vorgestellt, die an die vorhergehende Wachstumsstrategie GOAL 10 anknüpfte. GOAL 13 steht für „Growth Opportunities to Assure Leadership in 2013“ (deutsch: Wachstumschancen, um die Marktführerschaft im Jahr 2013 zu sichern). Da der Zielpunkt von GOAL 13 im Jahr 2013 erreicht wird, beabsichtigten wir, im laufenden Geschäftsjahr neue Ziele festzulegen, die es uns erlauben, auch zukünftig unsere herausragende Marktposition zu behaupten und in einem möglichst breiten Spektrum des Dialysemarktes erfolgreich zu sein. Dabei wollen wir grundsätzlich die bisherigen Wachstumspfade weiter beschreiten:

Weg 1: Organisches Wachstum

Durch den Ausbau unseres Kliniknetzes sowie die Einführung von innovativen Dialyseprodukten wollen wir unsere führende Marktposition stärken. Gleichzeitig bauen wir unsere ganzheitlichen Behandlungskonzepte (siehe Kapitel „Unser Geschäft mit Dialysedienstleistungen“) weiter aus und kombinieren diese Angebote zum Beispiel mit Dialysemedikamenten. Mit dieser Strategie unterscheiden wir uns wesentlich von unseren Wettbewerbern. Wir gehen davon aus, dass wir den Großteil unseres zukünftigen Wachstums auf organischem Wege generieren werden.

Weg 2: Akquisitionen

Weil wir langfristig wachsen und unsere Ertragskraft steigern wollen, überprüfen wir regelmäßig, ob wir das Netz unserer Dialysekliniken durch Zukäufe erweitern können. Hierbei konzentrieren wir uns auf besonders attraktive Regionen. Darüber hinaus sehen wir auch in dialysenahen Bereichen, speziell der adäquaten Behandlung und Versorgung von Gefäßzugängen bei Dialysepatienten, weiteres Wachstumspotenzial.

Weg 3: Horizontale Erweiterung

Bereits im Geschäftsjahr 2010 hatten wir unsere Angebotspalette im Bereich der Dialysemedikamente gemäß unserer Strategie durch die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens mit dem Schweizer Unternehmen Galenica erweitert. Die Gründung von Vifor Fresenius Medical Care Renal Pharma Ltd., an der Fresenius Medical Care einen Anteil von 45% hält, wurde nach Zustimmung der Kartellbehörden Ende 2011 abgeschlossen. Das Gemeinschaftsunternehmen entwickelt und vertreibt Medikamente für Nierenkranke. Die Produkte werden zur Behandlung von Blutarmut und zur Regulierung des Knochenstoffwechsels bei Dialysepatienten und bei Patienten mit chronischem Nierenversagen, die noch keine Dialysebehandlung benötigen, eingesetzt.

Weg 4: Heimdialyse

Mit nach wie vor etwa 11% führt nur ein relativ kleiner Teil der Patienten die Dialyse zu Hause durch. Die Mehrzahl der Dialysepatienten wird in darauf spezialisierten Dialysezentren behandelt. Wir wollen im Markt der Heimdialyse – der sowohl die Peritonealdialyse als auch die Heim-Hämodialyse umfasst – langfristig eine wichtige Rolle übernehmen. Dazu kombinieren wir unsere umfangreiche und innovative Produktpalette mit unserer Kompetenz im Bereich der Dialysedienstleistungen.

Volumen Dialysemarkt 2012: ~ 75 MRD USD

Weitere Informationen zur Unternehmensstrategie in unseren unterschiedlichen Funktionsbereichen und Regionen finden Sie im Nachtrags- und im Prognosebericht sowie in verschiedenen anderen Abschnitten dieses Geschäftsberichts.

Steuerungsgrößen

Der Vorstand steuert das Unternehmen mit Hilfe einer Reihe finanzieller Kenngrößen. Die Aktivitäten unserer Segmente steuern wir anhand ihrer operativen Ergebnisse, definiert als Ergebnis vor Zinsen und Ertragsteuern (Earnings before Interest and Taxes, EBIT). Die Kenngröße Ergebnis vor Zinsen, Ertragsteuern und Abschreibungen (Earnings before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization, EBITDA) verwenden wir speziell, um den Verschuldungsgrad zu ermitteln; so können wir die Kreditfähigkeit des Unternehmens beurteilen.

Die Zielgrößen, an denen der Vorstand die Segmente misst, sind so gewählt, dass sie genau die Erträge und Aufwendungen umfassen, über die die Segmente auch tatsächlich entscheiden können. Daher gehen Zinsaufwendungen für die Finanzierung, Steueraufwendungen, Rechtskosten, Aufwendungen der Konzernzentrale in den Bereichen Rechnungswesen und Finanzen, Beratungsleistungen und bestimmte Aufwendungen für Forschung und Entwicklung nicht in die Zielgröße für ein Segment ein.

Anhand des Mittelzuflusses aus laufender Geschäftstätigkeit, des operativen Cash Flows, kann beurteilt werden, ob ein Unternehmen die Mittel selbst erwirtschaften kann, die für die Substanzerhaltung des in der Bilanz abgebildeten Vermögens und für Erweiterungsinvestitionen nötig sind.

Um den Verschuldungsgrad zu ermitteln, werden die Finanzverbindlichkeiten (Total Debt) ins Verhältnis zum EBITDA gesetzt. Der Verschuldungsgrad ist ein Indikator dafür, wie lange und in welcher Höhe Verbindlichkeiten bedient werden können. Er gibt verlässlicher als die alleinige Orientierung an der absoluten Höhe der Finanzverbindlichkeiten Auskunft darüber, ob ein Unternehmen in der Lage ist, seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Fresenius Medical Care hat eine starke Marktposition in globalen, wachsenden und größtenteils nichtzyklischen Märkten. Zudem verfügen die meisten Kunden über eine hohe Kreditqualität, da die Dialysebranche generell durch stabile, planbare und nachhaltige Kapitalflüsse gekennzeichnet ist. Dadurch kann Fresenius Medical Care im Vergleich zu Unternehmen in anderen Branchen mit einem höheren Anteil an Fremdkapital arbeiten (siehe auch „Grundsätze und Ziele des Finanzmanagements“).

Wir orientieren uns in der Unternehmenssteuerung außerdem an operativen Kennzahlen aus den folgenden unterschiedlichen Renditeberechnungen:

  • Die Rendite auf das investierte Kapital (Return on Invested Capital, ROIC) – auch Kapitalrentabilität genannt – gibt Auskunft darüber, wie effizient ein Unternehmen mit dem zur Verfügung stehenden Kapital arbeitet bzw. wie effizient der Kapitaleinsatz für ein bestimmtes Investitionsvorhaben ist. Der ROIC von Fresenius Medical Care lag 2012 mit 8,1% auf einem ähnlich hohen Niveau wie im Jahr 2011 mit 8,7%.
  • Die Rendite auf das betriebsnotwendige Kapital (Return on Operating Assets, ROOA) gibt Aufschluss darüber, wie effizient mit dem im gesamten Unternehmen eingesetzten Kapital gewirtschaftet wurde, da der Gewinn ins Verhältnis zum Gesamtkapital gesetzt wird. Der ROOA von Fresenius Medical Care lag 2012 mit 11,4% ebenfalls auf einem ähnlich hohen Niveau wie im Vorjahr (2011: 12,2%).
  • Der ROE (Return on Equity) gibt Auskunft über die Ertragskraft eines Unternehmens. Um die Rendite auf das Eigenkapital (ROE) zu ermitteln, wird das Konzernergebnis (Ergebnis, das auf die Anteilseigner der Fresenius Medical Care AG & Co. KGaA entfällt) ins Verhältnis zum eingesetzten Eigenkapital (Eigenkapital der Anteilseigner der Fresenius Medical Care AG & Co. KGaA) gesetzt. Im Geschäftsjahr 2012 lag der ROE (nach Steuern) mit 12,5% auf einem ähnlichen Niveau wie 2011.
  • Zur Berechnung unserer Kapitalkosten ziehen wir den Kapitalkostensatz (Weighted Average Cost of Capital, WACC) heran. Der WACC ist ein durchschnittlicher Gesamtkapitalkostensatz, der sich als gewichtetes Mittel der Kosten für Eigen- und Fremdkapital ergibt. Der WACC von Fresenius Medical Care betrug im Jahr 2012 6,8%, nach 6,7% im Vorjahr. Der Vergleich des WACC mit der Kapitalrentabilität von 8,1% zeigt, dass Fresenius Medical Care im Jahr 2012 nicht nur seine Kapitalkosten erwirtschaftet, sondern darüber hinaus auch den Unternehmenswert gesteigert hat.
T. 2.1.3

Wesentliche Kennzahlen

 
  20121 2011
1Auf Basis bereinigter Werte, nähere Details dazu finden Sie im Abschnitt „Ertragslage“.
EBIT 2.329 2.075
EBITDA 2.932 2.632
Verschuldungsgrad (Debt-EBITDA-Verhältnis) 2,83 2,69
Return on Invested Capital (ROIC) 8,1 8,7
Return on Operating Assets (ROOA) 11,4 12,2
Return on Equity (ROE) 12,5 13,6

Wir steuern unsere Investitionen mittels eines detaillierten Abstimmungs- und Bewertungsprozesses. Der Vorstand legt das Investitionsbudget für den Konzern sowie die Investitionsschwerpunkte fest. Bevor die konkreten Investitionsvorhaben oder Akquisitionen umgesetzt werden, prüft ein unternehmensinterner Ausschuss (Acquisition & Investment Committee, AIC) die einzelnen Projekte und Maßnahmen und berücksichtigt dabei Renditeanforderungen und Renditepotenziale. Die Investitionsprojekte werden auf Basis gängiger Methoden wie der Kapitalwert- und der Interner-Zinsfuß-Methode bewertet; Amortisationszeiten fließen ebenfalls in die Bewertung ein. Damit wollen wir sicherstellen, dass wir nur die Investitionen und Akquisitionen tätigen beziehungsweise umsetzen, die tatsächlich den Unternehmenswert steigern.

Weitere Informationen zu Akquisitionen finden Sie in den Abschnitten „Akquisitionen und Desinvestitionen“ sowie „Finanzlage“.

Details zur Entwicklung dieser Kenngrößen sowie weiterer Finanzzahlen finden Sie auch im Kapitel „Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage“, sowie im Finanzbericht.

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