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Verantwortung

Verantwortung

Unser Verständnis von Verantwortung setzt an unserem Geschäftsmodell an: Weil wir im ständigen Austausch mit den Patienten, Mitarbeitern und Ärzten stehen, behalten wir ihre Bedürfnisse stets im Blick. Zugleich bauen wir das Umweltmanagement an unseren Standorten aus, um die Auswirkungen unseres Geschäfts auf die Umwelt zu begrenzen.

Wir übernehmen Verantwortung für die Umwelt

Das Umweltmanagement ist ein Faktor unseres wirtschaftlichen Erfolgs: Es trägt dazu bei, dass wir immer strenger werdende Umweltauflagen umsetzen können und unsere betrieblichen Abläufe so ressourceneffizient und damit kostensparend wie möglich gestalten. Darüber hinaus unterstützt es unsere Geschäftsbereiche zunehmend dabei, mit umweltfreundlichen Produkten und Dienstleistungen einen Mehrwert für unsere Kunden zu schaffen. Nicht zuletzt sorgt es dafür, dass wir als Unternehmen unsere Verantwortung gegenüber der Umwelt wahrnehmen.

Umweltmanagement in allen unseren Regionen mit hoher Priorität

Unsere Geschäftsregionen EMEA (Europa, Naher Osten, Afrika), Nordamerika, Asien-Pazifik und Lateinamerika weiten ihre Umweltaktivitäten von Jahr zu Jahr aus. Aufgrund unserer dezentralen Unternehmensstruktur setzen wir unser Umweltmanagement, genauso wie die meisten anderen operativen Bereiche auf regionaler Ebene um. Die zuständigen Umweltmanager entwickeln – zum Teil gemeinsam mit externen Beratern – Strategien für mehr Umweltschutz in den Werken und Kliniken und fördern das Umweltbewusstsein der Mitarbeiter. Darüber hinaus koordinieren sie die Umwelt-Audits, die externe Behörden und Einrichtungen sowie unternehmenseigene Prüfer in den Werken und Kliniken vornehmen.

Region EMEA

In der Region EMEA ist das Umweltmanagement Teil unseres Integrierten Managementsystems. Die Sachverständigenorganisation TÜV überprüft regelmäßig die Umsetzung der Umweltmanagement-Norm ISO 14001 in unserer Konzernzentrale, in den zertifizierten Werken sowie in den nationalen Klinikorganisationen in Europa. Ende 2012 waren unsere sieben größten europäischen Produktionsstandorte (2011: ebenfalls sieben) und die Medizinprodukteentwicklung nach ISO 14001 zertifiziert; darüber hinaus haben wir das Umweltmanagementsystem inzwischen in 13 (2011: 12) europäischen Landesregionen implementiert.

Im Berichtsjahr haben wir mit der Umsetzung unseres zweiten Umweltprogramms für die Regionen Europa und Lateinamerika begonnen. Als Rahmen für das Programm hat die Unternehmensleitung fünf strategische Umweltziele festgelegt. Fresenius Medical Care will an seinen Standorten und in seinen Kliniken:

  • das Umweltbewusstsein und das umweltbewusste Verhalten verstärken,
  • das Wissen rund um strategische und operative Umweltthemen vertiefen,
  • die Umweltleistung, zum Beispiel die Öko-Effizienz, erhöhen,
  • die Kontrolle der Umweltrisiken verbessern,
  • gewährleisten, dass Umweltvorschriften eingehalten werden.

Unsere Umweltmanager haben aus diesen Punkten zusammen mit den jeweiligen Geschäftsbereichen eine Vielzahl von Umweltzielen für die einzelnen Stufen entlang der Wertschöpfungskette abgeleitet, also beispielsweise für die Entwicklung, die Produktionsstätten, die Logistik oder für unsere Dialysekliniken. Die Verantwortlichen der Produktionsstandorte etwa sind aufgefordert, Ziele zur Verbesserung der Umweltleistung festzulegen. Außerdem sollen sie Einsparpotenziale bei Rohstoffen, Energie und Wasser ermitteln und Verbesserungsmaßnahmen planen. So wollen wir zum Beispiel bis zum Jahr 2015 mindestens 85% der Produktionsabfälle in der Region EMEA stofflich und thermisch verwerten. Diese Verwertungsquote wurde Ende 2012 bereits bei fünf unserer sieben zertifizierten größten Produktionsstandorte in der Region EMEA erreicht oder sogar übertroffen. In drei Werken haben wir 2012 Projekte zur Reduzierung des Wasserverbrauchs durchgeführt. Vier Werke haben Maßnahmen zur Verringerung des Energieverbrauchs umgesetzt und zwei Standorte haben den Rohstoffverbrauch vermindert. Im Werk in Schweinfurt zum Beispiel haben wir den Stromverbrauch je produzierter Dialysemaschine in den vergangenen sechs Jahren durch viele Einzelmaßnahmen um insgesamt 27% reduziert. Am serbischen Standort Vršac haben wir den Ausschuss von Kunststoff in der Produktion von Dialysefiltern um circa ein Fünftel reduziert.

2013 wollen wir unter Federführung des Standorts St. Wendel Kennzahlen für den Energieeinsatz und Rohstoffverbrauch entwickeln, um künftig die Nachhaltigkeit unserer Produktionsprozesse belegen zu können. Nur so lassen sich in einem bereits weitgehend optimierten Produktionsablauf noch vorhandene Potenziale identifizieren. Ebenfalls für 2013 ist die Errichtung einer Gasturbinenanlage zu Energiegewinnung im Werk St. Wendel geplant. Durch die Koppelung von Strom- und Wärmeproduktion kann der Wirkungsgrad beim Einsatz des Brennstoffs Erdgas deutlich erhöht werden.

Bereits von 2007 bis Ende 2010 haben wir unser erstes geschäftsbereichsübergreifendes Umweltprogramm für unsere europäischen Standorte erfolgreich umgesetzt. Hierbei ging es vor allem darum, umweltfreundlichere Produkte zu entwickeln, in Produktionsstätten und Dialysekliniken Ressourcen wie Energie und Wasser einzusparen sowie Abfälle zu vermeiden. Zu den Projekten gehörte zum Beispiel eine Energieeffizienz-Initiative an unseren größten europäischen Produktionsstandorten, dank der wir inzwischen jährlich über 1,5 MIO € an Energiekosten einsparen. Ein weiteres Projekt war die Entwicklung und Einführung der Klinik-Software e-con5, mit der wir in unseren europäischen Dialysezentren Daten zur Öko-Effizienz wie den Wasser- und Energieverbrauch sowie zur Abfallentsorgung erfassen. Inzwischen wenden 452 unserer europäischen Kliniken e-con5 an (2011: 405); mit der kontinuierlichen Einführung der Software bauen wir in Europa und seit 2012 auch in Lateinamerika schrittweise ein umfangreiches Umwelt-Datenmanagementsystem auf. Dank e-con5 können unsere Landeszentralen die Öko-Effizienz ihrer Kliniken monatlich vergleichen und rasch Verbesserungsmöglichkeiten erkennen.

Region Nordamerika

In den USA haben wir für unser Produktgeschäft ein formelles, zertifiziertes Programm zur Überwachung der Umwelt- und Arbeitssicherheitsstandards etabliert, das alle Produktionswerke und Labore jährlich durchläuft. In den Audits wird überprüft, inwieweit wir die Richtlinien der US-amerikanischen Arbeitsschutzbehörde, des Verkehrsministeriums sowie der US-Umweltschutzbehörde beachten, aber auch die staatlichen und lokalen Gesetze. Ende August 2012 hat Fresenius Medical Care North America bereits zum 13. Mal den „Safety in Excellence Award“ des US-amerikanischen Sach- und Haftpflichtversicherers CNA erhalten. Mit der Auszeichnung würdigte der CNA das Engagement des Unternehmens für die Gesundheit der Mitarbeiter, für Sicherheit, Schadenverhütung und die Kontrolle von Risiken. Auch die Tatsache, dass sich bei Fresenius Medical Care die Fehlzeiten aufgrund von Arbeitsunfällen deutlich verringert haben, erkennt der CNA damit an.

Das Umweltmanagement in unseren Kliniken wird sowohl intern als auch von staatlichen Behörden überprüft; ein Kriterium ist dabei die Einhaltung von Richtlinien für die Entsorgung medizinischer Abfälle. Zusätzlich haben wir damit begonnen, die Zertifizierungskriterien für unsere Kliniken und Produktionsstandorte in den USA nach der Umweltnorm ISO 14001 untersuchen zu lassen. Die erste Zertifizierung soll im April 2013 in unserem Werk in Livingston, Kalifornien, beginnen und Ende des Jahres abgeschlossen sein.

Wie in den anderen Regionen unterstützen sowohl Umweltverantwortliche im Unternehmen als auch externe Partner die Werke und Kliniken in den USA dabei, ihre Abläufe umweltfreundlicher zu gestalten, zum Beispiel durch Recyclingprogramme. In den Kliniken betreiben wir seit einigen Jahren mit einem spezialisierten Entsorgungsunternehmen ein Mehrwegsystem mit Sammelbehältern für medizinische Abfälle. Am Standort Ogden, unserem größten Produktionswerk in den USA, führen wir Stoffe aus verschiedenen Bereichen des Standorts der Wiederverwertung zu, darunter verschiedene Kunststoffe und Pappe. Im Werk Walnut Creek arbeiten wir mit einem Recycling-Unternehmen zusammen, das auf die Abfalltrennung und -verwertung bei medizinischen und elektronischen Geräten spezialisiert ist, und bereiten so circa 5% aller Komponenten gebrauchter Dialysemaschinen als Ersatzteile wieder auf. Im laufenden Geschäftsjahr wollen wir ein Programm starten, mit dem wir die Wiederverwertung von Papier und Pappe in unseren US-amerikanischen Kliniken weiter intensivieren möchten.

Seit Ende 2010 arbeiten wir in den USA mit einem externen Dienstleister zusammen, der den Energie- und Wasserverbrauch sämtlicher Dialysekliniken laufend erhebt und dokumentiert. Wir erfassen den Ressourcenverbrauch unserer Dialysezentren somit nach einheitlichen Kriterien und erkennen dadurch leichter Möglichkeiten, unsere Energieeffizienz weiter zu verbessern. Zu den weiteren Aufgaben des Dienstleisters gehören das Prüfen und Begleichen der entsprechenden Verbrauchsrechnungen und das Zusammenstellen von Analyseberichten zu Themen wie Treibhausgasemissionen und Klimabilanz für einen internen Verteiler. Außerdem werden wir 2013 monatlich einen Energieverbrauchsbericht für die Region erstellen und so Kliniken mit einem außergewöhnlichen hohen Verbrauch von Wasser, Gas und Strom identifizieren. Dort werden wir ansetzen, um künftig einen unnötig hohen Energieeinsatz zu vermeiden.

Für eine möglichst umweltverträgliche Ausstattung der Gebäude und Innenräume unserer Kliniken in den USA sorgen interne Richtlinien, nach denen wir energieeffiziente Beleuchtungs- und Klimatisierungssysteme sowie umweltfreundliche Bodenbeläge und Wandfarben einsetzen. Bei der Isolierung von Dächern, Wänden, Türen und Fenstern halten wir Branchenstandards ein oder übertreffen sie. Auch bei der Anschaffung von Wasseraufbereitungsanlagen für die Dialyse achten wir zunehmend auf Ressourcen- und Energieeffizienz. Im Jahr 2011 erhielt die erste Klinik in den USA, die von Fresenius Medical Care ausgestattet wurde, eine Umweltzertifizierung nach dem US-amerikanischen LEED-Standard. LEED steht für „Leadership in Energy and Environmental Design“(auf Deutsch etwa „Führend in energie- und umweltschonendem Gebäudedesign“); dieser Standard legt Richtlinien für ressourcenschonendes und nachhaltiges Bauen fest.

Regionen Asien-Pazifik und Lateinamerika

In der Region Asien-Pazifik inspizieren die lokalen Behörden regelmäßig unter anderem die Abwassersysteme und unseren Energieverbrauch. Darüber hinaus überprüft ein Team von Fresenius Medical Care in jährlichen Audits, inwieweit wir in der Produktion, der Logistik, den Laboren und der Verwaltung die Unternehmensrichtlinien für Ressourceneffizienz und Umweltschutz einhalten, und ermittelt Verbesserungsmöglichkeiten. Dazu nutzen die Prüfer auch die Daten zum Strom-, Gas- und Wasserverbrauch sowie zur Abfallentsorgung, die wir in den Produktionswerken laufend erheben. Am Standort Changshu in China haben wir seit 2010 mehrere Energieeffizienz-Projekte umgesetzt; beispielsweise nutzen wir nun die konstant temperierte Umluft eines unserer Fertigungsbereiche zur Klimatisierung des Warenlagers. Im Berichtsjahr haben wir zusätzlich Warmluftvorhänge installiert, um Wärme innerhalb der Räume und Hallen zu halten. Seit 2011 wird auch das Abwasser der Umkehrosmose-Anlage wiederverwertet sowie weitere Optimierungsarbeiten am Leitungssystem des Werkes durchgeführt. In der Fertigung wird seit 2012 Kondenswasser recycelt. Darüber hinaus werden seit 2011 Wertstoffe (Papier, Kunststoff und Restmüll) getrennt, weiterverwertet und dadurch Entsorgungskosten gespart.

In der Region Lateinamerika haben wir im Umweltmanagement ebenfalls weitere Fortschritte erzielt. Im vergangenen Jahr haben wir in Kolumbien unsere Mitarbeiter weiter in Umweltschutzthemen geschult. Dabei geht es uns im Wesentlichen darum, ihnen bewusst zu machen, welchen Beitrag sie täglich zum Umweltschutz leisten können. Unsere Umweltabteilung in Bogotá hat außerdem einen „Green Day“ für alle Mitarbeiter initiiert, an dem Aktivitäten rund um den Umweltschutz angeboten werden. In den Kliniken haben die Dialyseteams beispielsweise einen Film zum Thema Umweltschutz in ihrem direkten Arbeitsumfeld gedreht. Besonders kreative Beiträge wurden prämiert. Zusätzlich wurde im vergangenen Jahr das „Environmental Leaders“-Programm weitergeführt; dabei werden Freiwillige in den einzelnen Kliniken geschult, die anschließend die Umsetzung von Umweltprojekten unterstützen. Um in der Belegschaft bekannt zu machen, auf welchen Gebieten Fresenius Medical Care Kolumbien gesellschaftliche Verantwortung übernimmt, geben die Umwelt- und die Personalabteilung zusammen mit der Fundación Fresenius (siehe Abschnitt „Engagement für die Lebensqualität von Patienten“ in diesem Kapitel) einen vierteljährlichen Newsletter heraus. Im laufenden Geschäftsjahr wollen wir in unserer Zentrale einen Abfallmanagementplan einführen, mit dem wir dort die Schulung der Mitarbeiter rund um die Reduzierung von Festabfällen und das Thema Recycling forcieren werden. Im vergangenen Jahr haben die Produktion und die medizinische Abteilung außerdem eine Kampagne zum Arbeitsschutz initiiert.

In Argentinien erfassen wir weiterhin kontinuierlich den Wasser- und Energieverbrauch sowie die Entsorgung von medizinischem Abfall in allen Dialysezentren. Auf Basis der ermittelten Verbrauchswerte konnten wir erfolgreich mit Wasserversorgern verhandeln und gezielt nach Wasserverlusten aufgrund schadhafter Leitungen suchen; außerdem haben wir die Aufbereitung von Wasser intensiviert. In Venezuela haben wir 2012 die Umwelt-Aufklärungskampagne für unsere Klinikmitarbeiter zu den Themen Abfallentsorgung, Energie- und Wasserverbrauch fortgesetzt. Auch die Entsorgung von medizinischem Abfall ist dort optimiert worden. In Brasilien überwachen wir intensiv den Wasser- und Energieverbrauch sowie die Abfallentstehung in unseren Kliniken. In puncto Wassereinsparung setzen wir verstärkt auf die Rückgewinnung des Wassers, das in der Hämodialyse verwendet wird; wir nutzen dafür das Verfahren der Umkehrosmose. Das Potenzial ist enorm, denn die blutreinigende Lösung besteht zu 95% aus Wasser. Im Jahr 2012 haben wir das Projekt in weiteren sieben Kliniken umgesetzt, sodass es inzwischen bereits in 15 Kliniken etabliert ist.

Umweltschonende Produkte und Dienstleistungen

Wir befassen uns zunehmend mit der Frage, wie wir unsere Erzeugnisse und Verfahren umweltfreundlicher gestalten können. Das Ziel ist dabei, den Kunden Mehrwert zu bieten, indem wir ihnen helfen, Kosten einzusparen oder Umweltauflagen besser zu erfüllen.

Entwicklung umweltfreundlicher Produkte

In der Forschung und Entwicklung arbeiten wir grundsätzlich daran, unsere Produkte und Verfahren umweltverträglicher zu gestalten – indem wir neue Materialien mit verbesserten Umwelteigenschaften nutzen, neue Technologien entwickeln, die den Ressourcenverbrauch der Dialysegeräte weiter reduzieren, und nicht zuletzt indem wir Energie und Rohstoffe in der Produktion effizient einsetzen.

Um die Umweltleistung des Unternehmens nachhaltig zu verbessern und darüber zu berichten, ist es erforderlich, die Auswirkungen der Produkte und Dienstleistungen auf die Umwelt über ihren gesamten Lebenszyklus zu erfassen und zu bewerten (Ökobilanzierung). Daher wurde im Berichtsjahr das Projekt „Comparative Life Cycle Assessment“ initiiert, das Informationen über Produktdesign, Ressourceneffizienz der Produktion, Logistik und Produktanwendung in der Dialyse miteinander verknüpft. Datenquellen sind insbesondere die interne Umweltberichterstattung, Produktspezifikationen sowie Daten aus externen Ökobilanzdatenbanken. Ziel dieses Projekts ist, die Umweltbilanz verschiedener Produktgruppen bei Dialysekonzentraten zu ermitteln und miteinander zu vergleichen. So können wir besonders umweltschonende Produkte im Dialog mit den Kunden herausstellen und fundierte Produktaussagen zur Umweltverträglichkeit der Konzentrate treffen. Außerdem fließen die Erkenntnisse in die Entwicklung neuer Produkte ein. Künftig sollen weitere Produkte und Produktgruppen in die Ökobilanzierung einbezogen werden.

An unserem wichtigsten Standort für die Dialysatorenproduktion im deutschen St. Wendel zum Beispiel haben wir bereits 2011 die Menge des Spülwassers, das wir bei der Herstellung der Dialysemembranen einsetzen, durch Rückeinspeisung in den Herstellprozess um 25% reduziert. Ein Viertel des Spülwassers wird nun noch einmal verwendet und nur noch die verbleibenden drei Viertel durch Frischwasser ersetzt. Damit konnten wir den Energiebedarf für die Wiederaufbereitung des verunreinigten Spülwassers ebenfalls um 25% senken; das hat zu einer Kostenersparnis von 150.000€ im Jahr geführt. Mit dem Spülwasser werden die frisch gesponnenen Fasern für die Dialysemembranen von Rückständen des Lösemittels DMAC befreit. Anschließend werden Wasser und Lösemittel in einem aufwendigen thermischen Verfahren wieder voneinander getrennt, sodass beide in einem geschlossenen Kreislauf wiederverwendet werden können. Je weniger Spülwasser regeneriert werden muss, desto weniger thermische Energie in Form von Dampf wird benötigt und desto höher ist die Energieeinsparung.

Insgesamt erzielen wir mit Prozessverbesserungen neben der Schonung von natürlichen Ressourcen jedes Jahr Einsparungen von mehr als 1 MIO €.

Initiativen für eine umweltschonende Dialyse

Es ist uns ein zentrales Anliegen, die Umweltauswirkungen durch Dialysebehandlungen bei gleichzeitiger Ressourcen- und Kosteneffizienz weiter zu reduzieren. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Energieagentur (DENA) haben wir 2010 ein umweltfreundliches Energiekonzept entwickelt, das die spezifischen Anforderungen von Dialysekliniken berücksichtigt. In diesem Modell für eine CO2-neutrale Dialyseklinik spart diese durch ihre umweltfreundliche Strom- und Wärmeversorgung ebenso große Mengen des Treibhausgases CO2 (Kohlendioxid) ein, wie sie durch ihren Energieverbrauch für die Dialyse, die Wasseraufbereitung und den sonstigen Betrieb erzeugt. Auf Basis dieser Erkenntnisse haben wir 2011 gemeinsam mit der Hochschule Anhalt Dessau ein Handbuch für das ökologische Bauen und Renovieren von Dialysekliniken erarbeitet. Es bietet unseren Architekturverantwortlichen in den verschiedenen Ländern der Region EMEA (Europa, Naher Osten und Afrika) einen praktischen architektonischen und technischen Leitfaden, wie die Erkenntnisse aus dem Modell unter der besonderen Berücksichtigung der Bedürfnisse der Dialysepatienten und Klinikteams in die Praxis umgesetzt werden können. Möglich machen dies zum Beispiel Solarzellen auf dem Dach zur Stromerzeugung, eine Anlage zur Rückgewinnung von Wärme aus dem Abwasser der Dialysebehandlung, eine besondere Wärmedämmung der Gebäudehülle sowie eine bestimmte Anordnung der Fenster, die eine maximal effiziente Nutzung des Tageslichts ermöglicht.

Basierend auf dem Konzept der CO2-neutralen Klinik sowie dem Handbuch haben wir 2012 im italienischen Roccadaspide eine besonders umweltfreundliche Dialyseklinik eröffnet. Der Neubau fasst zwei nahe gelegene Dialysekliniken von Fresenius Medical Care zusammen und verbraucht im Gegensatz zu diesen nur noch halb so viel Wasser und rund ein Viertel weniger Strom. Ein Kernstück der Umweltschutzmaßnahmen ist die Installation modernster Wasseraufbereitungstechnologie von Fresenius Medical Care: Eine spezielle doppelstufige Wasseraufbereitungsanlage erzeugt das für die Herstellung der Dialyselösung benötigte Reinstwasser mit besonders geringem Wasserverbrauch, und ein Steuergerät sorgt für eine besonders effiziente Bereitstellung des Dialysekonzentrats aus großen Tanks. Zudem wird das Abwasser vollständig wiederaufbereitet. Damit sparen wir in dieser Klinik rund 2,5 MIO Liter Wasser pro Jahr – und das in einer sehr trockenen Gegend, in der Wasser dringend für die Landwirtschaft benötigt wird. Für einen geringeren Energieverbrauch sorgen unter anderem sparsame LED-Leuchten, die ein gleichmäßigeres und angenehmeres Licht spenden und auch leichter zu entsorgen sind als die sonst üblichen Neonröhren. Außerdem ist das Gebäude gut isoliert und wird durch eine direkt in die Fußböden eingebaute Klimaanlage mit integriertem Wärmetauscher besonders umweltfreundlich und zugluftfrei gekühlt und beheizt. Fresenius Medical Care plant, in den kommenden Jahren weitere umweltfreundliche Kliniken in Europa zu bauen. In der Nähe von Barcelona ist eine weitere „grüne“ Dialyseklinik bereits in Planung; auch sie soll viele Attribute einer CO2-neutralen Klinik aufweisen.

Seit dem ersten Quartal 2013 erfassen wir den Umweltstatus unserer Kliniken. Unter dem Motto „Wie umweltfreundlich ist Ihre Dialyseklinik?“ werden alle Dialysekliniken eine Selbstbewertung vornehmen und dabei beurteilen, inwiefern wichtige Umweltschutzmaßnahmen vor Ort bereits etabliert sind. Der Fragebogen umfasst 50 Punkte zu den Themen Klinikmanagement, Gebäudemanagement, Energie & Transport, Wasser & Konzentrate, Abfall und Material. Abgefragt wird zum Beispiel, ob es in der Klinik Verantwortliche für Energie-, Wasser- und Abfallmanagement gibt, ob Umweltschutzprojekte durchgeführt wurden, ob das Gebäude mit Fotovoltaik-Elementen, Sonnenschutzjalousien, energieeffizienter Beleuchtung und Geräten ausgestattet ist und inwiefern die Verbräuche von knappen Ressourcen analysiert werden. Diese Bewertung hat einen doppelten Nutzen: Erstens erhalten wir einen Überblick über den Umweltstatus unserer Kliniken, den wir als Grundlage für die Renovierung beziehungsweise Sanierung von Klinikgebäuden nutzen können. Zweitens können wir erfassen, inwiefern geplante Neubauten vorgegebene Mindeststandards erfüllen. Darüber hinaus sollen das Klinikmanagement sowie die Mitarbeiter ihren Blick für Umweltaspekte weiter schärfen, Anregungen für Verbesserungen bekommen und diese umsetzen.

Auch Umweltinitiativen mit externen Partnern haben wir 2012 fortgesetzt, zum Beispiel das Projekt „Go Green in Dialysis“ (auf Deutsch etwa „Initiative grüne Dialyse“), das wir 2009 gemeinsam mit der EDTNA/ERCA (European Dialysis and Transplant Nurses Association/European Renal Care Association), dem europäischen Verband für Pflegefachkräfte in der Nierenheilkunde, gestartet hatten. Im September 2011 wurde der Umweltleitfaden für Dialysefachkräfte veröffentlicht, den wir im Rahmen von „Go Green in Dialysis“ erarbeitet haben und der die Klinikmitarbeiter dabei unterstützen soll, die Abläufe an ihrem Arbeitsplatz umweltfreundlicher zu gestalten. Die offizielle Präsentation des Leitfadens im Rahmen der jährlichen Konferenz der EDTNA/ERCA stieß bei den Konferenzteilnehmern auf großes Interesse. Mittlerweile wurde der Leitfaden in sechs weitere Sprachen übersetzt.

Darüber hinaus werden wir 2013 gemeinsam mit der EDTNA/ERCA zum ersten Mal den Green Innovation Award vergeben. Die Preisverleihung findet im Rahmen der 42. EDTNA/ERCA Conference 2013 in Malmö (Schweden) statt. Ausgezeichnet werden drei Ideen, Best-Practice-Ansätze, Projekte oder vielversprechende Konzepte von Einzelpersonen oder Teams als Vertreter von Unternehmen oder Institutionen, die dazu beitragen, den Umweltschutz in der Hämodialyse zu fördern oder weiterzuentwickeln. Voraussetzung für eine Teilnahme ist, dass der Nutzen des Wettbewerbsbeitrags auf andere Projekte übertragbar und zudem messbar und nachhaltig ist.

Wir übernehmen Verantwortung gegenüber unseren Anspruchsgruppen

Fresenius Medical Care trägt als Hersteller und Anbieter lebenserhaltender medizinischer Produkte und Dienstleistungen eine besondere Verantwortung für seine Anspruchsgruppen, allen voran Patienten und Geschäftspartner. Den Umgang mit ihnen sowie unsere Abläufe in der Forschung und Entwicklung richten wir nach unternehmenseigenen und branchenrelevanten Standards und Gesetzen aus. Darüber hinaus engagieren wir uns als Dienstleister in unseren Kliniken, als Partner und gemeinsam mit Verbänden und als Unternehmen in der Gesellschaft für eine bessere Lebensqualität von Nierenpatienten. Dadurch wollen wir nicht nur unserer Verantwortung gerecht werden, sondern zugleich unseren guten Ruf im Dialysemarkt stärken.

Im Rahmen des Umweltprogramms in der Region EMEALA haben wir außerdem bereits 2011 damit begonnen, die bestehenden lokalen Systeme für den Arbeitsschutz in unseren Dialysekliniken zu einem zentralen Managementsystem für Arbeitssicherheit nach der Norm BSOHSAS 18001 zusammenzuführen und in unser Integriertes Managementsystem einzubinden. Im Berichtjahr haben wir das neu entwickelte Arbeitsschutzmanagementsystem erfolgreich in zwei Dialysekliniken erproben können. Darauf aufbauend haben wir ein Schulungskonzept erstellt, auf dessen Basis ab 2013 im Zuge der Einführung des Arbeitsschutzmanagementsystems zielgruppenspezifische Schulungen der Mitarbeiter stattfinden werden.

Initiative für die Gesundheit und das Wohlergehen des Menschen: Unsere Qualitätspolitik

Im vergangenen Jahr haben wir unsere überarbeitete Qualitätspolitik für die Region EMEALA in Kraft gesetzt. In ihrem Mittelpunkt stehen Menschen innerhalb und außerhalb unseres Unternehmens; unser Hauptanliegen ist ihre Gesundheit und ihr Wohlergehen. Wir haben die Qualitätsziele auf mehrere Zielgruppen heruntergebrochen, unter anderem Patienten, Mitarbeiter und unser gesellschaftliches Umfeld.

  • Patienten:
    Wir wollen die Lebenserwartung von Menschen mit Nierenkrankheiten, Leberversagen und Immunschwäche erhöhen und ihre Lebensqualität verbessern.
  • Mitarbeiter:
    Wir wollen ihnen die bestmöglichen Arbeitsbedingungen bieten, qualifizierte Mitarbeiter langfristig an unser Unternehmen binden und ihre berufliche Weiterentwicklung fördern.
  • Gesellschaftliches Umfeld:
    Wir wollen unsere gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen, Sicherheitsstandards und rechtliche Anforderungen erfüllen und unser Handeln am Unternehmenskodex von Fresenius Medical Care ausrichten.

Mit der Umsetzung dieser Ziele wollen wir sicherstellen, dass wir unsere Unternehmenswerte, unsere Unternehmensidentität und ein konstruktives Miteinander pflegen indem wir unser Integriertes Managementsystem fortlaufend verbessern.

Richtiges Verhalten gegenüber Patienten und Geschäftspartnern in Richtlinien festgelegt

Für einen verantwortungsvollen, korrekten und gesetzeskonformen Umgang unserer Mitarbeiter mit Patienten und Geschäftspartnern gibt der Unternehmenskodex von Fresenius Medical Care den Rahmen vor; zum Unternehmenskodex. Er enthält unter anderem spezifische Verhaltensrichtlinien für das Management und die Mitarbeiter in den Kliniken sowie im Vertrieb und Marketing. Diese Richtlinien betreffen beispielsweise die korrekte Abrechnung von Produkten und Dienstleistungen, faires Verhalten im Wettbewerb und den respektvollen, integren Umgang mit den Patienten. Unsere Mitarbeiter in Marketing und Vertrieb erhalten ein spezifisches Compliance-Training, das speziell auf ihr Tätigkeitsfeld zugeschnitten ist.

Forschung und Entwicklung an ethischen Maßstäben ausgerichtet

Wenn Fresenius Medical Care neue medizinische Geräte oder pharmazeutische Produkte auf den Markt bringen will, ist das Unternehmen gesetzlich verpflichtet, deren Wirksamkeit und Sicherheit anhand sogenannter klinischer Prüfungen zu belegen und umfassend zu dokumentieren. Das bedeutet: Die Neuentwicklung muss über einen bestimmten Zeitraum im klinischen Umfeld bei einer Gruppe von Patienten angewendet werden. Zum Vergleich werden eine oder mehrere weitere Gruppen von Patienten mit bereits erhältlichen Produkten und Methoden behandelt, die dem aktuellen Stand der Forschung und Technik entsprechen.

Für unsere Branche gelten umfassende Richtlinien und Gesetze, die dafür sorgen sollen, dass im Rahmen einer solchen Prüfung keine ethischen Prinzipien verletzt, Ärzte und Einrichtungen, die die Prüfung im Auftrag der Unternehmen durchführen, sorgfältig nach ihrer Qualifikation ausgewählt und wissenschaftlich anerkannte Methoden angewendet werden. Dazu gehört beispielsweise die Erklärung des Weltärztebundes, die grundlegende ethische Prinzipien der klinischen Forschung festschreibt, sowie die EU-Richtlinien für Arzneimittel wie die Richtlinie 2001/20/EG, die EU-Medizinprodukte-Richtlinie Medical Device Directive (MDD) und die ISO-Norm 14155, die Kriterien festlegt, nach denen eine klinische Prüfung durchzuführen und ein Prüfbericht in der klinischen Forschung zu erstellen sind. Nach diesen Regelwerken richtet auch Fresenius Medical Care seine klinische Forschung aus. Darüber hinaus richten wir uns nach nationalen Gesetzen und Richtlinien wie dem Arzneimittelgesetz (AMG) und dem Medizinproduktegesetz (MPG) in Deutschland oder den Richtlinien der US-amerikanischen Behörde für Lebensmittel- und Arzneimittelsicherheit FDA (Food and Drug Administration). Eigene Handlungsanweisungen von Fresenius Medical Care für die Mitarbeiter, sogenannte Standard Operating Procedures (SOP), führen diese Richtlinien mit internen Vorgaben zusammen, damit eine klinische Prüfung in unserem Auftrag ordnungsgemäß abläuft und dokumentiert wird. Bevor eine Prüfung überhaupt beginnen kann, müssen Ethikkommissionen in den jeweiligen Ländern unserem Antrag zustimmen. Dass sich Hersteller von medizintechnischen und pharmazeutischen Produkten an diese Vorgaben halten, ist nicht zuletzt eine wichtige Voraussetzung dafür, dass sie ihre Forschungsergebnisse in wissenschaftlichen Medien publizieren können.

Tierversuche nutzen wir zur Zulassung von neuen Produkten und Therapieformen nur, soweit diese vom Gesetzgeber vorgeschrieben sind. Diese Untersuchungen werden von externen Forschungseinrichtungen in anerkannten Versuchslaboren durchgeführt und grundsätzlich durch eine Ethikkommission für Tierversuche gebilligt. Grundsätzlich ist unsere Strategie, Tierversuche zu vermeiden und alternative Verfahren anzuwenden.

Im Einsatz für das Wohl der Menschen

Als Dialyseunternehmen ist es unser Ziel, die Lebensqualität von Nierenpatienten kontinuierlich zu verbessern. Dieses Ziel verfolgen wir auch über unser Kernangebot von Produkten und Dienstleistungen hinaus, indem wir uns auf vielfältige Art und Weise für ein lebenswertes Leben mit der Dialyse, den Zugang von Patienten zu einer hochwertigen Behandlung und für die gesundheitliche Aufklärung über das chronische Nierenversagen einsetzen.

Engagement für die Lebensqualität von Patienten

Fresenius Medical Care arbeitet weltweit mit regionalen und überregionalen Verbänden und Einrichtungen zusammen, die sich für die Interessen von Dialysepatienten einsetzen. Darüber hinaus entwickeln wir eigene Initiativen, um Patienten dabei zu unterstützen, ein gesünderes und aktiveres Leben zu führen. In den USA zum Beispiel fördern wir das Renal Support Network, einen gemeinnützigen Verband von und für Patienten mit chronischem Nierenversagen, dessen Ziel es ist, Patienten und ihre Familien gesundheitlich aufzuklären, ihnen mehr Zuversicht im Lebensalltag zu geben und ihre Eigeninitiative zu stärken.

In Brasilien unterstützen wir sowohl finanziell als auch fachlich die Fundação do Rim, eine gemeinnützige Stiftung, die sich für mehr als 200 junge Dialysepatienten in der Provinz Rio de Janeiro engagiert. Die Stiftung setzt sich gegenüber Behörden und der Öffentlichkeit für eine angemessene Versorgung der Kinder und Jugendlichen mit Medikamenten sowie für deren Zugang zu einer Nierentransplantation oder die Einrichtung von mehr pädiatrischen Dialyseeinheiten in Krankenhäusern ein. Zugleich organisiert sie besondere Angebote für die jungen Patienten wie Bewegungs-, Kunst- und Musiktherapiekurse und schult Eltern im richtigen Umgang mit der Krankheit ihrer Kinder.

In Chile unterstützen wir seit 2011 Patienten bei der Arbeitssuche und coachen sie an ihrem neuen Arbeitsplatz. Verschiedene Arbeitgeber haben bereits rund 100 Arbeitsplätze für Patienten zur Verfügung gestellt, bei denen die Arbeitszeiten so gestaltet sind, dass genügend Zeit für die Dialysebehandlungen bleibt.

In Kolumbien haben wir eine eigene Stiftung gegründet, um die Gesundheit und das Wohlbefinden unserer Patienten auch über die eigentliche Dialysebehandlung hinaus zu fördern. Die Fundación Fresenius finanziert sich aus Spenden der Wirtschaft, unserer Mitarbeiter und von Privatpersonen; in regelmäßigen Berichten legen wir Rechenschaft über die Verwendung dieser Mittel ab. Im Berichtsjahr hat die Stiftung zum Beispiel Patienten mit einer gesunden, warmen Mahlzeit direkt nach der Dialysebehandlung versorgt; für Patienten mit niedrigem Einkommen war dies oft die einzige Mahlzeit des Tages. Patienten mit Behinderungen und Patienten mit geringem Einkommen hat die Stiftung außerdem kostenlose Fahrten zwischen ihrem Zuhause und dem Dialysezentrum ermöglicht. Außerdem nahmen zahlreiche Patienten an Kultur- und Sportveranstaltungen sowie an Bastelkursen teil, die die Stiftung organisiert hatte. Peritonealdialyse-Patienten, die zu Hause keine adäquaten Bedingungen für die PD-Behandlung haben, hat die Stiftung zudem mit aseptischen Zelten versorgt, in denen sie stabile hygienische Verhältnisse für die Behandlung vorfinden. Auch 2013 will die Stiftung diese Aktivitäten und Programme fortsetzen; erstmals soll außerdem ein Kochworkshop angeboten werden, um chronisch Nierenkranken, die noch nicht dialysepflichtig sind, die Bedeutung gesunder Ernährung aufzuzeigen.

In Argentinien hat jeder dritte Patient – das geht aus ihren Anmeldedaten hervor – keinen Primärschulabschluss, den man in dem Land nach sieben Jahren erwirbt; viele Patienten können daher nur unzureichend lesen. Der niedrige Bildungsstand schränkt die Lebensqualität der Patienten zusätzlich ein: Er erschwert ihnen, auf einem ohnehin angespannten Arbeitsmarkt eine Beschäftigung zu finden, und verstärkt typische Schwierigkeiten im Leben mit der Dialyse, allen voran das disziplinierte Einhalten des Behandlungsplans und die Einnahme von Medikamenten. Um diesen Patienten neue Chancen zu eröffnen und ihre Eigeninitiative zu stärken, haben wir bereits 2008 ein gemeinsames Projekt mit dem Bildungsministerium der Provinz Buenos Aires gestartet: Das Ministerium entsendet Lehrer aus seinem Programm für die Erwachsenenbildung in inzwischen sieben unserer Dialysekliniken, während Fresenius Medical Care die Unterrichtsmaterialien stellt. Rund 90 unserer Dialysepatienten wurden 2012 von 14 Lehrern mit der Aussicht unterrichtet, dass sie ihren Schulabschluss nachholen können. Ende 2012 hatten bereits 23 Patienten dieses Ziel dank des Projekts erreicht, fünf sind im vergangenen Jahr zu einer weiterführenden Schule gewechselt. Das Projekt wird von den Initiatoren wie von den Lehrern und Schülern als außerordentlich bereichernd empfunden.

In Argentinien haben 25% unserer Patienten eine Behinderung und 70% haben Probleme, eine bezahlte oder sogar unbezahlte Arbeit zu finden. Bereits seit zehn Jahren engagiert sich Fresenius Medical Care daher in der Initiative „ProHuerta“ (deutsch in etwa „Pro Nutzgarten“) des argentinischen Instituts für landwirtschaftliche Technologie und des Ministeriums für gesellschaftliche Entwicklung. Als Argentinien 2002 eine schwere Wirtschaftskrise erlebte, war auch der Zugang zu Nahrungsmitteln für viele Dialysepatienten schwierig. Damals entstand die Idee, die Patienten mit Samen verschiedener Gemüsesorten und Gartengeräten zu versorgen, die für eine etwa 100 Quadratmeter große Bepflanzungsfläche und die Ernährung einer typischen argentinischen Familie ausreichen würden. Zusammen mit ihren Verwandten nahmen die Patienten an Schulungen teil und lernten so, das Gemüse zu säen, die wachsenden Pflanzen zu pflegen und schließlich zu ernten und zu verarbeiten. Im Berichtsjahr erreichte das Programm die Hälfte und damit mehr als 4.500 unserer Patienten; fast jeder Siebte unserer Angestellten war ebenfalls in das Programm eingebunden. 87% unserer Dialysezentren sind inzwischen „Green Centers“, das heißt, sie geben zweimal im Jahr (Herbst/Winter- und Frühjahr/Sommer-Saison) Samen aus. Im Jahr 2012 wurden erstmals mehr als 5.000 Samenkits an Patienten und Mitarbeiter ausgegeben. Inzwischen werden Patienten auch mit kleinen Nutztieren wie Hühnern und mit kleinen Obstbäumen versorgt.

Förderung von Wissen und Weiterbildung sowie Verbesserung der Patientenversorgung

Fresenius Medical Care organisiert und unterstützt weltweit wissenschaftliche Konferenzen mit internationalen Experten der Nierenheilkunde und Fortbildungen für Ärzte und Dialysefachkräfte und trägt so zur Qualität in der Dialyse bei. Dies gilt insbesondere für Regionen, in denen moderne gesundheitliche Versorgungsstandards derzeit noch entwickelt werden. Zudem beteiligen wir uns an Projekten, die junge Mediziner für die Nierenheilkunde begeistern und den Nachwuchs in diesem Bereich fördern sollen. In Brasilien zum Beispiel unterstützen wir eine Initiative der nationalen Gesellschaft für Nephrologie; dabei werden alle zwei Jahre Medizinstudenten am Ende ihrer Ausbildung für Forschungsprojekte ausgezeichnet, in denen sie Lösungen für eine bessere Prävention chronischer Nierenleiden in der Bevölkerung erarbeitet haben.

Darüber hinaus beteiligen wir uns an lokalen Projekten für eine bessere Versorgung von Dialysepatienten. Das Renal Research Institute, ein Joint Venture von Fresenius Medical Care North America mit einem Krankenhaus in New York, ist Partner der Sustainable Kidney Care Foundation. Diese Stiftung fördert Projekte in Tansania (Afrika), in denen Patienten mit akutem Nierenversagen in Regionen ohne eine bestehende Versorgungsstruktur Zugang zu einer Dialysebehandlung erhalten. Das akute Nierenversagen tritt dort häufig infolge anderer schwerer Erkrankungen wie HIV oder Tuberkulose auf.

Sensibilisierung der breiten Öffentlichkeit

Nicht zuletzt beteiligt sich Fresenius Medical Care auch an der gesundheitlichen Aufklärung der breiten Öffentlichkeit. In Taiwan zum Beispiel organisieren wir jährlich gemeinsam mit der nationalen Gesellschaft für Nierenheilkunde und mehreren Krankenhäusern eine Aufklärungsveranstaltung, die das Bewusstsein der Bevölkerung für einen gesunden Lebensstil schärfen und die Früherkennung von Nierenerkrankungen fördern soll.

Im Berichtsjahr haben wir in den USA zusätzlich die Kampagne „pre-ESRD“ gestartet, mit der wir in der Presse auf das Risiko von Nierenerkrankungen aufmerksam machen wollen. Die Kampagne soll Menschen motivieren, sich so zu verhalten und zu ernähren, dass die Nieren keinen Schaden nehmen und es möglichst gar nicht erst zu Nierenversagen kommt, beziehungsweise die Symptome einer Nierenerkrankung zu erkennen und sich rechtzeitig behandeln zu lassen, bevor es keine Alternative mehr zur Dialyse gibt. Dazu bieten wir der Presse Informationsmaterialien rund um das chronische Nierenversagen und Interviews mit unseren Nephrologen an.

In Argentinien haben wir 2012 anlässlich des Weltnierentages (World Kidney Day) landesweit über die negativen Auswirkungen von Nierenerkrankungen sowie den Zusammenhang zwischen Nieren- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Diabetes informiert. Dazu haben wir unter anderem öffentliche Vorträge und Fernsehinterviews organisiert, Informationsmaterialien verteilt und kostenlose Diabetes- und Bluthochdruck-Untersuchungen angeboten. Mehr als 1.500 Menschen nahmen landesweit an den Gesundheitsscreenings teil und ließen sich zu den Themen Gesundheitsförderung, Prävention von Krankheiten und chronisches Nierenversagen beraten. In Argentinien erhielten 2012 über 27.000 Patienten Dialysebehandlungen, jeder zehnte der über 40 MIO Einwohner zeigte erste Anzeichen von chronischem Nierenversagen und fast die Hälfte von ihnen waren sich darüber nicht im Klaren. Mehr als die Hälfte der Patienten bekommen ihre erste Dialysebehandlung daher als Notfälle.

Unsere Spenden und Notfallhilfe

In Krisensituationen sowie für Einrichtungen, die rasch konkrete Hilfe benötigen, spenden wir Geld, Dialysegeräte und medizinisches Zubehör. Im Mai 2012 haben wir kurzfristig Dialysegeräte in die von Erdbeben erschütterte italienische Region Emilia Romagna geliefert und installiert. Während der Hurrikans im Juni, August und Oktober in Nordamerika waren unsere Krisenteams im Einsatz. Weitere Informationen dazu finden Sie im Kapitel „Unser Geschäft mit Dialysedienstleistungen“.

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